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Journal: Zwee Euro fofzeg
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Zwee Euro fofzeg

 

Am ersten Januar dieses Jahres trat die Regelung in Kraft, dass Patienten, die als Notfall in einer Poliklinik vorstellig werden, 2,50 Euro bezahlen müssen – mit Ausnahme lediglich der Patienten, die im Anschluss stationär aufgenommen werden. Der erzieherische Sinn dahinter sollte sein, dass die Patienten angehalten werden, sich nicht gleich mit jedem kleinen Wehwehchen an ein Krankenhaus zu wenden, sondern erst einmal den Dienst in einer „Maison médicale“ in Anspruch zu nehmen.



Schlussendlich wird nun jeder Patient zur Kasse gebeten, der sich, ob Notfall oder nicht, in irgendeiner Weise einer Untersuchung im Krankenhaus unterzieht – die Poliklinik-Notfall-Gebühr mutierte zur allgemeinen Krankenhausgebühr und bescherte diesen einen gewaltigen Verwaltungsaufwand. Für die CNS ist das natürlich oberflächlich betrachtet kein Problem, denn sie kassiert und hat zunächst keine zusätzliche Ausgaben. Dass die Krankenhäuser auf Dauer ihren Verwaltungsaufwand umlegen werden und die Versicherten ihn auf irgendeine Art und Weise tragen werden, das kann sich jeder an fünf Fingern abzählen.

Davon, war allerdings gestern nicht die Rede, als Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo ankündigte, man werde im Herbst die Maßnahme „op de Leescht huelen“, mit ruhigem Kopf prüfen, ob sie ihre Zielsetzungen erreicht und wo nachgebessert werden muss. Dass es nicht logisch sei, einem chronischen Patienten die Gebühr regelmäßig abzuverlangen und dass sie nicht abschreckend wirke und mehr Patienten in die „Maison médicales“ steuere, gab er offen zu. Genauso offen gab CNS-Präsident Jean-Marie Feider zu, dass einzelne Patienten übermäßig belastet werden und man eine Begrenzung vorschlagen werde.

Es habe nur anfänglich Interpretationsschwierigkeiten gegeben, sagte Di Bartolomeo. Die Maßnahme sei nicht falsch verstanden worden und auch nicht falsch umgesetzt, sagte Feider, man habe nur nicht gewusst und berücksichtigt, dass die Polikliniken so unterschiedlich funktionieren und erhebe dies jetzt erst einmal zusammen mit den Krankenhäusern.

Wenn man aber gar nicht weiß, wie die Polikliniken funktionieren, wenn die Aktivitäten der „Poliklinik“ gar nicht klar definiert sind und man keine Trennung kennt zwischen Notfallaktivitäten und den Routineaktivitäten, die die Ärzte in den Krankenhäusern vornehmen, warum führt man dann eine solche Maßnahme ein? Warum redet man noch immer von einer Poliklinik-Gebühr auf Notfälle und geht ganz selbstverständlich davon aus, dass man weiterhin jede Krankenhausbehandlung mit der Gebühr belegen wird? Hält man die Leute wirklich für so dumm?

Nicht logisch, nicht pädagogisch, weil nicht abschreckend, kein steuernder Charakter, mehr Aufwand als Nutzen, gerade die, die ohnehin in der Misere sitzen auch noch bestrafend, sozial ungerecht – die Bilanz ist doch schon verheerend. Was will man denn da noch großartig nachbessern?

Um Himmels Willen, schafft die Poliklinik-Gebühr doch endlich ab, macht den Krankenhäusern und den Patienten das Leben wieder ein bisschen einfacher und verursacht nicht unnötig noch mehr Kosten für ein System, das im Rahmen einer groß angelegten Gesundheitsreform effizienter gestaltet und finanziell langfristig abgesichert werden sollte.

Gebt einfach zu, dass es praktisch nicht durchführbar ist, eine Gebühr auf „falsche“ Notfälle zu erheben, ohne kollateralschädigend alle Patienten in Sippenhaft zu nehmen. Und hört überhaupt auf, ausgerechnet Patienten, die sich in einer Notsituation befinden auch noch mit Gebühren zu belasten.

Bei einem jährlichen Gesamthaushalt von zwei Milliarden Euro wird die CNS doch irgendwie auf die geschätzten 2,5 Millionen Euro, die durch die Gebühr eingenommen werden sollen, verzichten können. Sollten sie denn überhaupt übrig bleiben, wenn man einmal eine ehrliche Bilanz von Kosten und Einnahmen machen würde.

Annette Duschinger

Quelle: Lëtzebuerger Journal
URL: http://www.journal.lu/2011/08/11/zwee-euro-fofzeg/