1A Rue Christophe Plantin - L-2339 Luxembourg
Tél: 49 14 57-1 Fax: 49 14 58
email: infos@patientevertriedung.lu
Tageblatt online - Poliklinik ist nicht gleich Poliklinik
Logo: Tageblatt online

Poliklinik ist nicht gleich Poliklinik

LUXEMBURG – Weil sich viele Patienten über den Zuschlag von 2,50 Euro pro Besuch in den sogenannten Polikliniken beschweren, will der Gesundheitsminister jetzt die Regelung überarbeiten.


Die "Patientevertriedung" moniert in einer Pressemitteilung unter anderem, dass im Rahmen der Reform der Krankenhausdienste viele Abteilungen, wie die Kardiologie, die Chemotherapie usw. einfach zur Poliklinik gerechnet werden. Die Organisation erinnert daran, dass viele Ärzte ihre Praxis in den Krankenhäusern hätten und deshalb ihre Patienten die Polikliniken durchlaufen müssten.

Nun stelle der systematische Durchlauf der Polikliniken jedoch ein Problem dar, weil seit Anfang des Jahres der Patient für jeden Besuch 2,50 Euro für die Behandlung zahlen müsse. Personen mit chronischen Erkrankungen oder Menschen, denen jeden Tag der Verband ausgewechselt werden muss, müssten tief in ihre Tasche greifen, so die "Patientenvertriedung" in einem offenen Brief an Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo. Für Menschen, die chronische Leiden hätten oder Patienten, die sich öfters im Krankenhaus behandeln lassen, müssten Ausnahmeregelungen gelten, so die Vereinigung, die sich für eine allgemeine Reform der Beteiligung der Patienten an den Gesundheitskosten ausspricht.

"Nicht mehr notwendig"


Die Patientevertriedung erinnert auch daran, dass der Gesamtüberschuss der Gesundheitskasse (CNS) sich für 2011 auf 24,6 Millionen Euro beläuft. Die massive Eigenbeteiligung der Patienten hat keine Daseinsberechtigung mehr, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Vereinigung will eine Unterschriftenaktion starten, wenn die Missstände nicht baldmöglichst aufgeklärt werden. Unter anderem müsse klargestellt werden, welche Abteilungen der Krankenhäuser sich wirklich „Poliklinik“ nennen dürfen.

Der Aufschlag von 2,50 Euro war im Rahmen der Sanierung der Krankenkassenfinanzen entschieden worden. Auch versuchte man durch diese Maßnahme, die Anzahl der sogenannten „falschen Notfälle“ in den Krankenhäusern zu reduzieren. Leute mit kleineren Wehwehchen sollten eher eine „Maison médicale“ aufsuchen als die Notaufnahme der Spitäler.

„À tort et à travers“


Der Gesundheitsminister bestätigt die unklaren Verrechnungsmodi der Krankenhäuser. Die Taxe werde „à tort et à travers“ berechnet, so Mars Di Bartolomeo, der daran erinnert, dass nicht er, sondern die Generalversammlung der CNS die Maßnahme beschlossen hatte.

Dies hatte zwei vordergründige und eine eher hintergründige Ursache.
Zum einen sollte der persönliche Beitrag helfen den Haushalt der Gesundheitskasse ins Gleichgewicht zu bringen. Weiter sollte der Beitrag ein „incentive“ sein, um jene Patienten, die eher in eine „Maison médicale“ oder bei einen Hausarzt gehören dorthin zu orientieren. Schließlich war die Taxe eine Art Kontrolle der Spitäler durch die CNS, da das Patientenaufkommen in den Polikliniken von der CNS bei der Berechnung der finanziellen Unterstützung in Betracht gezogen wird: Ein Mittel zur Transparenz.

Im Herbst definitiv vom Tisch


Der Gesundheitsminister gab nun eine Evaluierung der Maßnahme in Auftrag, die im Herbst vorliegen wird.
Dann wird die Taxe wieder Thema in der Generalversammlung der Gesundheitskasse sein.

Auch wenn Di Bartolomeo sagt, eine Anpassung der Taxe oder die Methodik könne im Dialog mit den Sozialpartnern geändert werden „bis hin zur Abschaffung“, so scheint jetzt bereits klar zu sein, dass die 2,50 Euro im Herbst vom Tisch sein werden.

Source: Tageblatt online
Date: 11.08.2011