Besserer Zugang und klare Regeln nötig
Gestern stellte die Patientevertriedung ihren Forderungskatalog der Öffentlichkeit vor, nachdem sie bereits im August bei den einzelnen Parteien damit angeklopft hatte. Verschiedene Punkte, so Präsident René Pizzaferri, seien inzwischen in verschiedene Parteiprogramme eingeflossen, aber es gelte, weiterhin am Ball zu bleiben, um später auch zu den Koalitionsverhandlungen noch einmal die wichtigen Punkte des Patientenrechts aufs Tapet zu bringen.Michéle Wennmacher ging auf die einzelnen Punkte ein. Besonders stark gewichtet waren Forderungen, wie etwa nach einer Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin und gleicher Behandlung aller Patienten oder der Aufstellung von Normen betreffend Ein- und Zweitbettzimmer. Zudem soll nach Ansicht der Patientevertriedung der Zusatztarif von 66 Prozent auf die erste Klasse abgeschafft werden.
Sonderhonorare oftmals unangebracht
Ein weiteres Ärgernis stellten die Sonderhonorare (CP) dar, so Wennmacher, die oftmals in ihrer Höhe aus der Luft gegriffen seien und nicht, wie vorgesehen, bei einem persönlichen Sonderanspruch des Patienten, sondern fast schon generell berechnet würden, wenn von Praxisseite ein Termin vergeben werde. Ein Patient sei in der Situation, solange keine Erstattung von der CNS zu erhalten, bis die integrale Arztrechnung inklusive CP bezahlt ist. Der Mediziner weiß dies und hat somit freie Hand.Die Strukturen der CNS müßten an alle gängigen technischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Standards angepaßt werden und das Personal der Appellationsinstanzen aufgestockt werden. Die freie Tarifierung von vor allem zahnärztlichen Leistungen, welche häufig so happig sind, daß Patienten sie nicht stemmen können, soll fallen. Zudem sollen solche medizinischen Akte künftig auch von der CNS integral übernommen werden. Auch bei einfachen medizinischen Konsultationen soll nach Ansicht der Patientevertriedung ein Tarif nach Zeit eingeführt werden.
Ganz wichtig sei es, zukünftig wesentlich mehr Augenmerk auf die Einbindung der Patienten und deren Feedback in den Kliniken und bei anderen Dienstleistern zu legen. Zudem soll die Präventivmedizin weiterentwickelt und erweitert werden. Ein Punkt, so Wennmacher, der, wie auch die Forderung nach Anerkennung alternativer medizinischer Versorgungsmethoden wie etwa die Ostheopathie, im Wahlprogramm der KPL zu finden sei.
Weiterhin brauche es eine Anerkennung und Reglementierung der Umweltmedizin und ein verstärktes Augenmerk auf Suchtkrankheiten, sowie eine bessere Qualitätskontrolle der im Bereich geleisteten Arbeit. Bei der Betreuung von psychisch und psychosomatisch erkrankten Menschen erwarte man, daß die zukünftige Regierung Anstrengungen zu Fortschritten unternehme. Die Notaufnahmen sollen reorganisiert werden und das Netz der »maisons médicales« ausgebaut werden, die im Osten quasi inexistent seien.
Das Kreuz mit den privaten Diensten
Ganz besonders regte man sich gestern bei der Patientevertriedung über die Goldgräbermentalität der privaten Krankentransportfirmen auf, welche in vielen Fällen keine Gelegenheit ausließen, besonders ältere Patienten finanziell regelrecht auszuziehen. In diesem Bereich sei dringend eine Reglementierung der Leistungen nötig, so Pizzaferri, damit zukünftig etwa die Verrechnung von 25 Euro etwa für das Öffnen einer Tür oder der Reichung einer Decke im Wagen nicht mehr möglich seien.Insgesamt aber müsse ein System her, Fortbildungen und deren Inhalte konkret zu reglementieren, damit die praktizierenden Mediziner sich laufend auf den neuesten Stand bringen. Ernsthafte Fortbildungen, so Pizzaferri, und nicht etwa ein halbstündiger Vortrag in Miami Beach.
(CK)
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek
Datum: 19.09.2013