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Immer mehr Patienten wehren sich

1700 Fehldiagnosen mit Folgen

VON ULRIKE WINTER -

(RP) Ein Vierjähriger wirdwährend einer Operation falsch gelagert und wird wegen abgestorbener Nerven nie wieder richtig gehen.Eine Reiterin wirdwegen eines gebrochenen Beines operiert, infiziert sich dabei mit einem Erreger und verliert ein Bein. Ein Berufsfahrer kann nach einer Infektion in derReha nicht wieder arbeiten: Alles Fälle des Deutschen Patienten-Schutzbundes.

Die Aktenlesen sich wie eine Dokumentation von Fehlern, die nicht passieren dürfen, aber doch passieren. „Wir haben immer mehr zu tun“, sagt Gisela Bartz, Vorsitzende des Landesverbandes NRW. Denn: Immer mehr Menschen wehren sich, weil sie sich von ihrem Arzt falsch behandelt fühlen. Nach eineram Dienstagvon der Bundesärztekammer vorgestellten Statistik gingen im vergangenen Jahr 10432 entsprechende Anträge bei Schlichtungsstellen ein, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Schlichtungsstellen wurden von den Ärztekammern 1975 eingerichtet. Sie bieten nach eigenen Angaben eine unabhängige Expertenbegutachtung und außergerichtliche Streitschlichtung an. Insgesamt liefen jedoch 40000 Beschwerden, so die Kammer über weitere Eingänge bei Gerichten, Haftpflichtversicherern und Medizinischem Dienst der Krankenkassen.

Die häufigsten Fehler wurden der Erhebung zufolge bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen gemacht. Der Grund für die tödlichen Patzer: nicht funktionierende Absprachen zwischen Gynäkologen und Radiologen. Auch Gisela Bartz beklagt, dass Patientinnen häufig schon mit Fehldiagnosen nach Hause geschickt werden. „Vor allem bei Frauen wird Krebs nach wie vor häufig übersehen – das ist besonders bitter, weil dort in Sachen Vorsorge so viel getan wird.“

Ein anderer Fehlerhort scheint die orthopädische Chirurgie: Behandlungen von Hüftgelenkarthrosen führen die Liste der registrierten Fehlbehandlungen in Kliniken an. Dies liegt zum einen daran, dass diese Eingriffe relativ häufig vorgenommen werden. Zum anderen ließen sich Fehler hier vergleichsweise gut nachweisen, sagt Susanne Dopheide , Sprecherin der Uniklinik Düsseldorf. „Röntgenbilder zeigen im Nachhinein sehr genau, wo Schrauben und Platten eingesetzt wurden. Entfernt man dagegen bösartiges Gewebe, lässt sich später nicht genau belegen, ob der Arzt wirklich alles erwischt hat.“ Auch käme es hier häufiger zu Beschwerden der Patienten, weil die Erwartungshaltung beispielsweise an eine neue Hüfte häufig sehr hoch sei.

Quelle: rponline neu.de