
Source: Lëtzeburger Journal
Date: 26.02.2009
Url: http://www.journal.lu/
Gesundheitsminister ist mit sich selbst zufrieden: Laut einer aktuellen TNS-ILRES-Umfrage sind aber 37% der Befragten eher unzufrieden
Auch wenn Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo (LSAP) gestern mehrmals unterstrich, dass die vierte Ausgabe der am 4. März in Bas Mondorf stattfindenden nationalen Gesundheitskonferenz unabhängig vom Wahltermin zu sehen sei und das Gleiche auch noch einmal in Bezug auf eine TNS-ILRES-Umfrage über die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Luxemburger Gesundheitssystem festhielt, so darf die gesundheitsministerliche Darstellungsweise doch stark angezweifelt werden.
Besagte Umfrage fand nämlich im Rahmen der internationalen Studie "National Health Survey" statt, die seinerseits bereits Anfang 2007 in den anderen Ländern durchgeführt wurde, derweil die Bürger hierzulande erst zwei Jahre später (und zwar zwischen dem 5. und dem 15. Januar 2009) befragt wurden, um ausgerechnet gestern, also fast genau drei Monate vor dem Wahltermin, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.
"Schwamm mat mam Molly"
So nutzte der Minister dann auch fleißig die Gelegenheit, sich erst einmal selbst ein gutes Zeugnis auszustellen, habe sich unser Land doch vor viereinhalb Jahren (als Di Bartolomeo der Regierung beitrat) auf den Weg gemacht, einen regelrechten "Gesundheitsplan" zu erstellen, und auf diesem Weg sei man bislang "gut" und "anständig" vorangekommen.
Als eine der Errungenschaften gilt hier die nationale Gesundheitskonferenz, die am kommenden Mittwoch in Bad Mondorf stattfindet und zu der sich schon 250 Leute angemeldet haben sollen, wie der Minister mit sichtlichem Stolz unterstrich.
Diese, die Leute, dürfen sich dann auch bereits am frühen Morgen ein einstündiges Einführungsreferat des Ressortministers zum Thema "Auf dem Weg zu einem nationalen Gesundheitsplan" ("bilan et perspectives" inbegriffen) anhören, um am Nachmittag mit etwas seichteren Beiträgen wie "Schwamm mat mam Molly"unterhalten zu werden.
Einen Großteil "bilan et perspectives" verriet Di Bartolomeo aber bereits gestern. So zeigte er sich z.B. überzeugt, dass das großherzogliche Gesundheitswesen in der Vergangenheit eher als "Reparaturbetrieb" angesehen worden sei, wohingegen in den letzten Jahren immer mehr Wert auf die Prävention und die Gesundheitsförderung gelegt worden sei.
"Riesige Fortschritte" in Sachen Förderung der Gesundheit seien u.a. in den Betrieben verzeichnet worden, aber auch in den Gemeinden und Schulen. Neben einem Drogen- und Aidsplan, die regelmäßig aktualisiert würden, ist nun anscheinend auch noch ein "Tabakplan" in Ausarbeitung.
Auf jeden Fall, so der Minister, gehöre Luxemburg zu denjenigen Ländern mit einem guten Gesundheitssystem, dies im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, wo Tendenzen bestehen würden, den Gesundheitsbetrieb als "normalen Markt" anzusehen.
5% der Befragten hatten Probleme, ihre Arztrechnung zu bezahlen
Bei der anschliessenden Vorstellung der TNS-ILRES-Umfrage (befragt wurden 484 Leute ab 17 Jahren, darunter 69% Luxemburger und 10% Portugiesen) durch Studiendirektor Charles Margue stellte dieser zwar auch eine allgemeine Zufriedenheit der Befragten in Bezug auf die Luxemburger Gesundheitspolitik fest - 63% sind der Auffassung, dass in unserem Gesundheitssystem nur geringfügige Änderungen notwendig seien -, allerdings sind auch 30% der Meinung, dass unser Gesundheitssystem fundamental geändert werden müsse, und fünf Prozent treten gar dafür ein, unser System komplett ("rebuild complety") umzugestalten.
Bei unseren deutschen Nachbarn liegt die diesbezügliche Im-Großen-und-Ganzen-Zufriedenheits-Rate nur bei 20% und in den Vereinigten Staaten gar nur bei 16%.
Auch wenn Luxemburg noch weit von einer Zwei-Klassen-Medizin entfernt ist, so fällt jedoch auch hier auf, dass die Zustimmung zu unserem Gesundheitssystem desto größer ausfällt, je höher der Bildungsgrad ist, oder, anders ausgedrückt: auch in Luxemburg scheinen sich die eher Ungebildeten und sozial schlechter gestellten Leute in ihrem Zugang zur Medizin gegenüber den bessergestellten Patienten benachteiligt zu fühlen.
So hatten im vergangenen Jahr immerhin fünf Prozent der befragten Bürger Probleme. ihre medizinische Rechnung zu begleichen ("serious problems paying or unable to pay medical bills in the past year").
Was nun aber den Zugang zu medizinischen Leistungen anbelangt, so ist über die Hälfte der Befragten (53%) überzeugt, dass dieser gut ist, derweil sich 36% wünschen würden, mit ihrem Arzt via E-mail zu kommunizieren (27% machen dies anscheinend jetzt schon). Zufrieden sind die hierzulande Befragten auch mit dem Zugang zu medizinischen Leistungen in der Nacht, am Wochenende oder in der Ferienzeit.
Luxemburger gehören auch zu den fleißigsten Besuchern von so genannten Spezialisten; allerdings gehört das Großherzogtum auch zu den Ländern, wo am häufigsten mehrmals die gleichen Analysen verschrieben werden, so dass hier wohl in Zukunft noch so manches Geld eingespart werden könnte.
Was nun medizinische Fehler anbelangt, so gaben vier Prozent der 484 befragten Bürger an, in der Vergangenheit hiervon betroffen gewesen zu sein...
St.
Quelle: Lëtzebuerger Journal