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Tageblatt - „Patientevertriedung“ skeptisch
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Date: 27.02.2009
Source: Tageblatt
URL: http://tageblatt.editpress.lu/news/117/ARTICLE/11936/2009-02-27.htm

„Patientevertriedung“ skeptisch


Léon Marx

„Wir haben über die Umfrage aus den Zeitungen erfahren“, so die erste Reaktion von René Pizzaferri, Präsident der „Patientevertriedung“, gegenüber dem Tageblatt.
Man habe Probleme, einzelne Resultate der Untersuchung nachzuvollziehen. Da wurden Länder miteinander verglichen, deren Gesundheitssysteme völlig unterschiedlich aufgebaut sind, gibt er zu bedenken.
Wichtiger als solche Meinungsumfragen wären qualitative Analysen der Arbeit in unseren Spitälern, betont René Pizzaferri. Einen solchen Ansatz gab es mit dem Vergleich der Gallenblasenoperationen – noch unter Gesundheitsminister Carlo Wagner. Der qualitative Vergleich zwischen den einzelnen Häusern wurde nie veröffentlicht, die hinter den Kulissen gehandelten Resultate hatten damals aber für so viel Aufregung gesorgt, dass eine zweite, bereits durchgeführte Untersuchung über die Implantation von Hüftprothesen gar nicht mehr ausgewertet wurde. Pizzaferri erinnert auch an den Streit über die Abstriche im Zusammenhang mit den Präventionskampagnen gegen Gebärmutterhalskrebs.
All das werfe ein ganz anderes Licht auf das luxemburgische Gesundheitssystem. Allerdings dürfe man auch nicht in das andere Extrem verfallen, gibt René Pizzaferri einschränkend zu bedenken. Auch bei den Klagen, die an die „Patientevertriedung“ herangetragen würden, seien manche nicht fundiert und würden nach einer ersten Analyse nicht weiterverfolgt.
Zufriedenheit oder Unzufriedenheit eines Patienten werde von vielen Faktoren beeinflusst, betont der Präsident der „Patientevertriedung“. Neben den rein medizinischen Elementen spielen da auch der Empfang, die Betreuung durch die Pflegekräfte und Ärzte eine wichtige Rolle. Auch die soziologische Zusammensetzung der Bevölkerung spiele bei solchen Vergleichen mit, gibt Pizzaferri zu bedenken. So sei z.B. über die Statistiken der früheren Krankenkassen für Angestellte und Arbeiter bekannt, dass der Medikamentenverbrauch bei den Angestellten höher lag, weil es dort eine andere Gesundheitskultur gab.

„No fault“-System

Minister Mars di Bartolomeo hatte auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch auch angedeutet, dass man in den Dossiers „Médiation“ und „no fault“ in den Gesprächen mit der Ärzteschaft vorankomme. Bei der „Médiation“ soll demnach ein Pilotprojekt anlaufen. Mit der „Médiation“, bei der es darum geht, in Streitfällen zwischen Arzt und Patient eine außergerichtliche Lösung herbeizuführen, habe man vom Prinzip her keine Probleme, betont Pizzaferri. In Detailfragen gebe es aber durchaus Differenzen zu den Überlegungen des Ministers.
Dass der Gesundheitsminister nach langem Zögern nun doch bereit sei, in Richtung „No fault“- System zu gehen, sei „keine gute Entwicklung“, klagt er. Die Ärzteschaft wäre der erste Berufsstand, wo die Allgemeinheit das finanzielle Risiko bei handwerklichen Fehlern übernehmen würde, gibt er zu bedenken. Auch in Belgien, wo das „No fault“-Prinzip seit zwei Jahren gelte, werde es in der Praxis noch nicht angewendet.


Quelle: Tageblatt
 

NO FAULT

Das ursprünglich aus Skandinavien stammende System sieht vor, dass für Behandlungsfehler in einer Liste fixe Entschädigungen festgeschrieben werden. Der Patient wird bei einem Behandlungsfehler dann über einen Fonds entschädigt. Damit sollen zeit- und kostenaufwendige Gerichtsverfahren vermieden werden. Der Fonds wird von Ärzten, Patienten und Spitälern über einen Aufschlag auf den Operationen finanziert. Derzeit müssen Chirurgen sich gegen Behandlungsfehler individuell versichern.
(Quelle: Tageblatt)