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Lëtzebuerger Journal - Patiente Vertriedung asbl zieht Bilanz der Aktivitäten 2008
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Source: Lëtzeburger Journal
Date: 06.02.2009
Url: http://www.journal.lu/cgi-bin/journal/go.pl?file=titres_2.html

Patiente Vertriedung asbl zieht Bilanz der Aktivitäten 2008: Streitfälle der Patienten mit der Sozialversicherung liegen seit fast drei Jahren auf Eis

Seit 1995 gibt es die Patiente Vertriedung asbl (PV) nun schon. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, den Patienten zu informieren und bei Problemen administrativer, technischer und medizinischer Art Beistand zu leisten. Die PV machte in den letzten zwei Jahren vor allem mit zwei Themen von sich reden: der (ungerechtfertigten) Abrechnung von sogenannten Convenance Personnelle durch die Ärzte, die immer wieder thematisiert wird, und die Diskussionen um die Neurochirurgie im CHL, die von der PV aufgrund von gehäuften Patientenklagen angestoßen worden war.

Die Aktivitäten der vergangenen Jahre, zukünftige Projekte, die Rolle der PV in der Gesundheitspolitik sowie Stellungnahmen zu verschiedenen Einzelthemen waren Gegenstand der Pressekonferenz, zu der die PV gestern geladen hatte. Da Präsident René Pizzaferri verhindert war, erläuterten vor allem Etienne Ehmann, Mitarbeiter der Beratungs- und Geschäftsstelle sowie Jean Huss, Vize-Präsident der Vereinigung, die einzelnen Punkte.

Nicht polemisieren, sondern Konflikte lösen

"Wir wollen nicht gegen Ärzte und Krankenhäuser polemisieren, für uns standen von Anfang an die Patientenklagen, Konfliktlösung und Vermittlung im Vordergrund", sagte Jean Huss und verwies auf die Vertreter, die die PV in verschiedenen Gremien habe - so z.B. drei in der Arbeitsgruppe "Médiation" und einer in der Arbeitsgruppe "Patientensicherheit" des Gesundheitsministeriums.

Im Vergleich zu den Jahren 2006 und 2007 sind die Beratungsakte - ob telefonisch oder im persönlichen Gespräch - und die neuen Patientenakten im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. So wurden 2008 278 neue Akten geöffnet - 180 und 157 waren es noch in den Jahren 2006 und 2007. "Darunter verstehen wir die Fälle, in denen die Leute öfters kommen müssen, weil ein Problem auf den Punkt gebracht und eine Einigung mit den Beteiligten gefunden werden muss", erklärte Etienne Ehmann.

Es stiegen die Fälle am meisten, in denen es um die Qualität einer Behandlung ging - sei es weil die Patienten sich nicht genügend informiert fühlten oder eine Operation (Spät-) Folgen zeigte. "Ärzte werden nicht genug in Kommunikation ausgebildet", bedauerte Huss, der auch darauf hinwies, dass viele Patienten sich über eine mangelnde Betreuung und Beratung nach einem Krankenhausaufenthalt beklagen. Dieses Thema soll in Zukunft vertieft werden.

Neurochirurgie: Koordination und Organisation noch unklar

Bei den rechtlichen Fragen ging es vor allem um die Änderungen, die das Einheitsstatut mit sich bringt und um die "Convenance Personnelle", die Ärzte "mit Takt und Maß" abrechnen sollen. Positiv herausgestrichen wurde gestern, dass sich der Zugang der Patienten zu ihren Krankenakten stark verbessert hat, weil die Krankenhäuser diesbezügliche ihre Dienststellen neu organisiert haben.

Jean Huss stellte in der Affäre um die Neurochirurgie fest, dass sich "die Sachen, die von der PV gesagt worden sind, als richtig erwiesen haben". Fünf Patientenfälle würden derzeit noch von der PV betreut. Wie es mit den Patienten sei, denen der Minister Beihilfe versprochen hätte, wisse man allerdings nicht. Genauso wenig wisse man über die Koordination der neurochirurgischen Aktivitäten durch den Minister. Es scheine nun zwar informelle Absprachen zwischen den Häusern zu geben und eine teilweise Verlagerung bestimmter Operationen in die Zithaklinik und das Hôpital Kirchberg stattgefunden zu haben, die PV fordere aber, dass fest- und offengelegt werde, wer welche Aktivitäten wo mache. Offen sei auch noch, wie der im Krankenhausplan festgelegte "Service National de Neurochirurgie" organisiert werden soll.

Wo bleibt Präsident der Überwachungskommission der Sozialversicherung?

Als "untragbare Situation" bezeichnete Jean Huss die Tatsache, dass seit fast drei Jahren die Überwachungskommission der Sozialversicherung, einziger Adressat der Patienten in einem Streitfall, nicht mehr funktioniere und somit eine Rechtslücke bestehe. Über hundert Akten hätten sich mittlerweile allein über die Inrechnungstellung der Periduralanästhesien bei Geburten, für die Anästhesisten den Patientinnen zwischen 400 und 900 Euro berechneten, angesammelt. Wann erfolge die Nominierung des neuen Präsidenten, die der Gesundheitsminister im Januar angekündigt hatte und welche Mittel stelle man zur Verfügung, um den enormen Rückstand aufholen zu können?, fragt die PV.

Dem neu eingeführten System der "Maisons médicales" wolle man zwar erst einmal eine Chance geben, werfe aber dennoch einige Fragen auf: Sind drei Häuser ausreichend, entlasten sie die Notaufnahmen der Krankenhäuser tatsächlich, wer garantiert die Koordination und sind die Hausbesuche für Patienten, die nicht mobil weiterhin sicher? Die PV fordert die Patienten in diesem Zusammenhang auf, ihre positiven und negativen Erfahrungen im Blog, der dafür auf dem neu gestalteten und benutzerfreundlichen Internetsite eingerichtet wurde, mitzuteilen.

Etienne Ehmann stellte in Aussicht, dass eine Synthese gemacht würde, die dann an den Minister und die Ärztevereinigung AMMD weitergereicht würde. Desweiteren sollen im Sommer noch einige Informationsbroschüren veröffentlicht werden.

du