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„Patiente Vertriedung asbl“ präsentiert aktuelle Anliegen und neue Projekte
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Source: Luxemburger Wort Page 28
Date: 06.02.2009

„Patiente Vertriedung asbl“ präsentiert aktuelle Anliegen und neue Projekte

Zu wenige „Maisons médicales“?
Generell: Patienten werden immer kritischer / Thema Neurochirurgie weiter aktuell


Reichen die drei seit Dezember betriebenen „Maisons médicales“ für das ganze Land? Wann wird die Neurochirurgie landesweit offiziell hinreichend koordiniert sein? Warum hat die „Commission de surveillance de la sécurité sociale“ seit fast drei Jahren nicht mehr getagt und lässt damit über 100 Patientenakten unbearbeitet? Das sind drei der wichtigsten aktuellen Fragen, die die „Patiente Vertriedung“ gestern bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt stellte.

Schnupfende und hustende Menschen: Allabendliche Szenen vor den Türen der drei Ende vergangenen Jahres eröffneten „Maisons médicales“. Der relativ neue ärztliche Bereitschaftsdienst wird offensichtlich gut angenommen, mehr noch, manchmal wird sogar der Platz knapp.

„Die Zustände kennt jeder“, so der Vizepräsident der „Patiente Vertriedung“, Jean Huss, gestern bei der Pressekonferenz. Generell seien die „Maisons médicales“ eine neue Erfahrung, der man durchaus „eine Chance geben“ wolle. Man erlaube sich aber, zu fragen: Reichen drei dieser Häuser für das ganze Land? Gerade im Osten herrsche beispielsweise ein Mangel. Ferner: Sind ein bis zwei Ärzte pro Haus genug? Sind die Öffnungszeiten ausreichend? Wie ist die Koordination der Akteure vor Ort gewährleistet? Werden die Hausbesuche nach und nach verschwinden? Und: Sind die Notdienste der Krankenhäuser wirklich entlastet?

Großer Beratungsbedarf

Fragen, die durch den täglichen Umgang mit Patienten entstehen, die sich bei der „Patiente Vertriedung“ erkundigen oder beschweren. Über tausend telefonische Anfragen gingen im vergangenen Jahr bei der asbl ein, 187 Patienten wurden ausführlich beraten und betreut. „Generell sind die Patienten im Umgang mit Verwaltungen sowie Ärzten und Kliniken kritischer und hellhöriger geworden und fühlen sich oft nicht ausreichend informiert“, so Steve Ehmann, der hauptamtlich für den Verein arbeitet.

Einen allgemein großen Beratungsbedarf habe es seit 2007 nach der „Affäre Neurochirurgie“ gegeben, bei der die „Patiente Vertriedung“ schwere Vorwürfe gegen die Qualität der medizinischen Betreuung in der Neurochirurgie des CHL erhoben hatte. Die Beratungsgespräche des Vereins hätten im Schnitt doppelt so lang gedauert wie normalerweise.

„Im Moment stehen wir im positiven Dialog mit dem CHL“, betonte Jean Huss. Trotzdem wolle man wissen, wie die landesweite Zusammenarbeit der Neurochirurgie sich in Zukunft offiziell gestalten solle. Momentan gebe es nur informelle Absprachen, nach denen Patienten bei neurochirurgischen Notfällen auch in andere Kliniken gefahren werden dürften. „Wenn auf so einem Krankentransport aber etwas passiert, kann das Probleme geben“, so Steve Ehmann.

Ein weiteres Anliegen der „Patiente Vertriedung“, die auch dabei hilft, Anträge an Krankenkassen oder andere Verwaltungen zu stellen: Die „Commission de surveillance de la sécurité sociale“ habe seit Juni 2006 keine Versammlung mehr abgehalten. „Das heißt: Es bleiben über 100 Dossiers von oft verzweifelten Patienten seit fast drei Jahren unbearbeitet“, so Jean Huss. Die häufigsten Fälle: Peridural-Anästhesien, die bei gebärenden Frauen am Wochenende gesetzt wurden und für die unberechtigterweise ein Wochenend-Zuschlag berechnet wurde. Die Patienten, so Huss, blieben auf hohen Summen sitzen. Die Kommission müsse aktiv werden. Das könne erst geschehen, wenn der vorgeschlagene Präsident Marc Schlungs auch nominiert werde.

Bei der Pressekonferenz präsentierte sich die „Patiente Vertriedung“ als wichtiger politischer Partner mit Vertretern in verschiedenen Gremien, beispielsweise in der Mediation, die oft Gerichtsprozesse verhindere, oder in der neuen „Commission nationale de contrôle et d'évaluation“, die sich mit dem Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe befasse. „Wir wollen nicht polemisieren“, betonte Huss. Was man sich noch wünsche, sei zudem ein allgemeines Gesetz zum Thema Patientenrechte.

Informationen rund um aktuelle Themen können Interessierte auf der überarbeiteten Internetseite nachlesen, die nun auf Französisch und Deutsch verfügbar ist. Betroffene Patienten können sich darüber hinaus aktiv an einem Blog beteiligen. Mehr Interaktivität sei das Ziel. Steve Ehmann ruft auf: „Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen – zum Beispiel mit den ,Maisons médicales‘.“

Birgit Pfaus-Ravida